Montage der Systeme

Für die Verankerung hinterlüfteter  Fassadenbekleidungen am Untergrund gibt es verschiedene Lösungsmöglichkeiten. Wir beschreiben, worauf der Handwerker bei der Auswahl zu achten hat.

Bei vorgehängten hinterlüfteten Fassaden (VHF) wird vor eine raumabschließende Außenwand eine zusätzliche Bekleidung angebracht. In dem Hohlraum, der zwischen Rückseite Fassadenbekleidung und vorhandener Außenwand entsteht, wird in den meisten Fällen eine Mineralfaser-Dämmschicht montiert, in jedem Fall verbleibt ein mindestens zwei Zentimeter breiter Hinterlüftungsspalt. Durch ihren Aufbau bietet diese Fassadenart - neben den umfangreichen gestalterischen Optionen - eine bauphysikalisch hervorragende Möglichkeit, den  Wärmeschutz eines Gebäudes zu verbessern.


Unterkonstruktion als Bindeglied

Um diesen Fassadenaufbau realisieren zu können, ist eine Unterkonstruktion als statisches Bindeglied erforderlich. Aufgrund zahlreicher Einflussfaktoren ergeben sich verschiedene Varianten. Im Folgenden werden die maßgeblichen Faktoren näher erläutert. In nahezu unbegrenzter Vielfalt werden zur Fassadenbekleidung zahlreiche Werkstoffe wie Aluminium und Aluminiumverbund, Faserzement und Feinsteinzeug, HPL und faserverstärkte Harzkompositplatten, Ziegel und Keramik sowie Bekleidungselemente aus Stahl, Kupfer, Titanzink, Glasfaserbeton, Schiefer und Holz, etc. in unterschiedlichen Abmessungen und Formen sowie Befestigungsarten (geschraubt, genietet, geklemmt, geklebt, Hakenbefestigung, Klammern oder Bolzen sowie rückseitige Hinterschnittverankerungen etc.) eingesetzt. Alle diese Varianten erfordern - nicht zuletzt aufgrund der unterschiedlichen Eigengewichte der Fassadenbekleidung - eine spezielle Unterkonstruktionslösung. Die Anforderungen ergeben sich bei nichtgeregelten Bauprodukten aus den Festlegungen der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung der Fassadenbekleidung, bei geregelten Bauprodukten aus den Ergebnissen der statischen Berechnung der Fassadenbekleidung und deren Befestigung und bei einigen der Fassadenbekleidungen aus bewährten Handwerksregeln.


Einflussfaktor: Windlast

Die Unterkonstruktionen der VHF müssen statisch so dimensioniert werden, dass sie neben der Übertragung des Eigengewichtes der Fassadenbekleidung vor allem auch  den auftretenden Windlasten widerstehen. Seit Anfang 2007 gilt in Deutschland die neue Windlastnorm DIN 1055-4 (Ausgabe März 05). Nach dieser Norm ist für jede einzelne Fassade die Windbelastung zu ermitteln. Dabei spielen vor allem der Standort des Gebäudes (Windlastzone, Geländekategorie, exponierte Lage), die Abmessungen des Gebäudes (Grundriss, Gebäudehöhe) und die Art der Fassade (winddurchlässig oder geschlossen) eine Rolle. Das Ergebnis der Windlastberechnung sind objektspezifische Winddruck- und Windsogkräfte, wobei an einem Gebäude (Fassade) häufig Bereiche mit unterschiedlichen Windbelastungen entstehen. Nachdem die Fassadenbekleidung und deren Befestigungsart eine erste Definition der möglichen Unterkonstruktion geliefert hat, erhält diese über die objektspezifische Windlast eine zusätzliche Varianz. Diese wirkt sich in der Auswahl der Profilquerschnitte, der Abstände der Tragprofile und der Anzahl der erforderlichen Verankerungen aus. In welchem Abstand die Fassadenbekleidung vor der bestehenden Außenwand montiert wird, ergibt sich durch die Dicke der Wärmedämmung, dem laut Norm (DIN 18516-1) erforderlichen Mindestquerschnitt der Hinterlüftung und zusätzlichen Gestaltungsoptionen des Architekten. Da es auch hierbei vielfältigste Möglichkeiten gibt und gleichzeitig Bautoleranzen auszugleichen sind, werden die Tragprofile in der Regel nicht direkt an der Wand verankert, sondern über Wandhalter aufgeständert. Wandhalter sind dabei in unterschiedlichsten Ausbildungen und Abmessungen auf dem Markt verfügbar.


Die Verankerung am Untergrund

Die Wandhalter werden mit zugelassenen Dübeln an der bestehenden Außenwand verankert. Für die unterschiedlichen Baustoffe der Außenwand unterscheiden sich jedoch die zulässigen Auszugswerte der Dübel zum Teil erheblich. Die zulässigen Lasten von Kunststoffdübeln schwanken dabei, je nach Abmessung und Verankerungsgrund, zwischen 150 und 1.800 Newton (N). Eine genaue Definition des Verankerungsgrundes ist für die Festlegung der Unterkonstruktion unumgänglich. Oft sind auch Objektversuche erforderlich, um für das verwendete Mauerwerk die zulässige Dübelzuglast zu ermitteln. Es gilt: Je geringer die zulässige Dübellast ist umso mehr Verankerungen (Wandhalter) sind erforderlich.